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Kommentare deaktiviert für Schulden Teil II: Der Wahrheit ins Auge sehen

Teil I erledigt und alles, wirklich alles aufgeschrieben? Dann kommt jetzt der wirklich harte Teil: die Zahlen anschauen und entscheiden, wie es weiter gehen kann. Emotional ist das der schwerste Teil. Die gute Nachricht ist: es kann nur besser werden! Selbst wenn die Zahlen verheerend sind, es befreit und bringt uns voran, wenn wir sie annehmen und aktiv damit arbeiten. Es ist der erste Schritte, um aus der Misere heraus zu kommen. Ab jetzt geht es ums heilen, ums besser werden, darum, den Weg zurück in die schwarzen Zahlen auf dem Konto zu finden.

Also los geht es. Wir haben alle Zahlen zusammen, jetzt heißt es, die Zahlen entsprechend zusammen zu stellen. Wir benötigen alle Einnahmen auf der einen Seite, alle Ausgaben auf der anderen Seite, von jedem eine Summe und am Ende die Differenz Einnahmen minus Ausgaben. Im Idealfall ist die Differenz positiv, wenn Du das hier liest, ist die Chance vermutlich größer, dass die Differenz negativ ist.

Der erste Blick: Ausgaben oder Einnahmen, welcher Betrag ist höher?

Der Betrag auf der Ausgabenseite ist höher, als der auf der Einnahmenseite? Ja, das war irgendwie zu erwarten, irgendwoher kommen die Schulden ja, nicht wahr. Aber der Reihe nach. Prüfe nochmal, ob Du wirklich alles aufgeschrieben hast. Posten unter den Tisch fallen zu lassen, damit Dich das Ergebnis nicht noch mehr erschreckt, ist nicht hilfreich. Wenn alles zusammen ist, ist die Höhe entscheidend: je weiter die Ausgaben die Einnahmen übersteigen, desto radikaler muss die Lösung ausfallen. Schreib also die Summe auf und schau sie Dir an: es ist trotz Allem nur eine Zahl. Sie kann Dein Leben durchaus verändern – vermutlich wird sie das. Aber Du hast das Ruder in die Hand genommen, es liegt an Dir, wie diese Veränderung aussieht. Für Dich geht es damit weiter mit dem Blick auf das Detail, ein Abschnitt weiter unten.
Die Einnahmen sind höher als die Ausgaben? Trotzdem gibt es aber Schulden, die nicht zu bewältigen scheinen? Dann fang bitte damit an zu überlegen, ob Du etwas vergessen hast. Eine recht typische Ursache könnte sein, dass Du nur die Ausgaben aufgeschrieben hast, die Du tatsächlich tätigst, aber nicht die Ausgaben, die Du tätigen müsstest, also z.B. Raten, die Du aber nicht zahlst. Dann nochmal Zähne zusammen beißen und los: auch diese Ausgaben müssen hier mit rein. Einfach nicht bezahlen ist nämlich nur eine sehr kurzfristige Lösung. Was auch sein könnte: eigentlich wird alles bedient, aber ein (dicker) Posten liegt Brach, für diesen gibt es keine Ratenvereinbarung, er wäre einfach einmalig fällig. Ok. Schreib diesen (oder diese) bitte gesondert auf, wir schauen sie uns extra an.

Der Blick auf das Detail: welche Posten sind problematisch?

Ok, Du hast die Summe gesehen, jetzt heißt es, nicht nur auf diese zu schauen, sondern zu den Details zu gehen. Gibt es einen oder mehrere Posten, die das Gleichgewicht ins Kippen bringen? Also z.B. „alles im grünen Bereich, aber durch die Raten für den Kredit ist es nicht mehr zu wuppen“? Typische Posten hierfür sind eben genau die Raten für einen oder mehrere Ratenkredite oder die Miete. Auch häufig: jeder einzelne Posten sieht ok und machbar aus, aber insgesamt summiert es sich so sehr, dass es nicht mehr zu den Einnahmen passt. Das entsteht häufig dadurch, dass man denkt „ach, diese Zusatzsumme pro Monat ist so gering, das ist kein Problem“ und sich dann die kleinen Zusatzbeträge doch zum Problem summieren. Dritte Möglichkeit: Der oder die oben bereits erwähnten Einmalposten. Das regelmäßige geht, aber es ist kein Spielraum, um die zu bezahlende Einmalsumme zu bewältigen.

Das war es für heute: wir sind in die Ursachenanalyse eingestiegen. Ja, ich weiß, das bringt Dich der Lösung immer noch nicht näher. Damit beschäftigen wir uns im dritten Teil, ich verspreche, der wird nicht so lange auf sich warten lassen!

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Kommentare deaktiviert für Denn erstens kommt es anders…

Leben ist, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben.

Henry Miller, Quelle: https://natune.net/zitate/zitat/297

Ich hatte mir vorgenommen, meine Serie über Schulden bereits vor über einer Woche weiter zu schreiben. Das hat nicht geklappt. Das Leben kam dazwischen, genauer gesagt war es der Tod. Mein Vater ist gestorben und neben organisatorischen Anforderungen, die dazu führten dass das Wochenende anders verlief, als geplant, hat sein Tod mein Leben auch emotional gehörig durcheinander geworfen.

Ich bin schon lange kein Kind mehr und der Abschied war nicht wirklich plötzlich, trotzdem verändert sein Tod mein Leben. Ich möchte, dass er das tut! Ich schaue zurück auf das, was mir mein Vater mitgegeben hat. Das war vor Allem Respekt vor dem Leben. Respekt vor den Menschen, ganz maßgeblich aber auch vor den Tieren und vor der Natur.

Ich möchte das weiter leben und weiter geben. In dieser Situation lese ich davon, dass die Kapitänin eines Seenot-Rettungsschiffs verhaftet wird, weil sie in höchster Not einen Hafen anläuft um die geretteten Menschen dort sicher abzuliefern. Ich lese, dass ungeachtet der Auswirkungen auf die Tierwelt ein neuer Schwung Pestizide (wieder) eine Zulassung bekommen hat und dass unsere Bundesregierung nach wie vor meint, dass wir erst die Arbeitsplätze schützen müssen, bevor wir darüber nachdenken können, die Umwelt und das Klima zu schützen.

Vor ein paar Jahren habe ich einigermaßen frustriert mein politisches Engagement eingestellt. Ich denke, ich bin soweit: ich will wieder! Die Frage ist jetzt nur: wo denn?

Ich sehe mich im Moment eher nicht in einer politischen Partei, ich wüsste auch nicht, in welcher. Aber wenn Ihr Ideen habt, wo ich mich sonst einbringen könnte (NGO oder so, hier in Hannover), ich bin für Vorschläge offen!

Mit den Schulden geht es dann im nächsten Artikel weiter!

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Kommentare deaktiviert für Schulden, Teil I: wo stehe ich?

Money makes the world go round. Wenn das Geld knapp wird, ist das zunächst kein größeres Problem: der Dispo wird es richten, darauf folgt ein Kredit und dann schiebt man das Bezahlen von Rechnungen halt ein Stück raus, dann geht das schon. Ich bin zeitweise eine große Künstlerin im Jonglieren mit Rechnungen und Zahlungen gewesen.

Irgendwann kam aber der Punkt, an dem ich mir eingestehen musste, dass es jetzt ein Problem ist. Weil ich den Überblick verloren habe, weil ich mich nicht mehr getraut, die Post zu öffnen, oder erst nach langem Überwinden. Weil bei allem Schieben und jonglieren mit dem Geld trotzdem die Frage im Raum steht, wovon die nächste Miete oder der Wochenendeinkauf bezahlt werden soll und ob die EC-Karte wohl noch Geld rausrückt.

Spätestens an diesem Punkt ist es Zeit, sich einen Ruck zu gehen und die Sache anzugehen. Ich weiß, dass das nicht leicht ist. Die Illusion „das ist nur ein vorübergehendes Problem, nächste Woche oder nächsten Monat ist das vorbei“ ist nur zu einfach aufrecht zu erhalten. Wir mögen keine Veränderungen und sich damit ehrlich auseinander zu setzen, riecht nach Veränderungen, die weh tun. Ganz ehrlich: spätestens, wenn der Nachtschlaf leidet und die Sorgen das Leben bestimmen, tut es weniger weh, das Problem anzupacken, als es zu ignorieren. Und je früher man es anpackt, desto größer die Chancen, mit einem blauen Auge raus zu kommen.

Also, Schritt 1: Ein Blatt Papier oder eine neue Excel-Tabelle öffnen, alle Kontoauszüge, nicht geöffneten Briefe usw. sammeln und ran an die Bestandsaufnahme.

  • Welche Konten gibt es und wie viel Geld ist drauf ?
  • Welche Ratenkredite habe ich, in welcher Höhe und wie sind die Monatsraten (Zinssatz mit notieren!)
  • Welche Rechnungen und in welcher Höhe warten im Moment auf Bezahlung?
  • Wie hoch sind die monatlichen fixen Kosten, also Miete, Strom Telefon usw.
  • Wie hoch sind im Durchschnitt die variablen Posten? Dazu zählen Einkäufe usw.?
  • Wie hoch sind die Einnahmen, die jeden Monat rein kommen. Bei Selbständigen dabei wichtig: nicht mit dem bestmöglichen Monat rechnen, sondern mit dem Durchschnitt oder mit eher einnahmeschwächeren Monaten! Wenn man nur von den stärksten Monaten ausgeht, verzerrt man das Ergebnis gewaltig!

Schreibt alles auf, die nackten Zahlen tun weh, aber am Ende tut die Vorstellung der Zahlen mehr weh, als wenn man sie tatsächlich kennt. Der erste Schritt ist: nicht interpretieren, nur aufschreiben. Es hilft für alles weitere, wenn man die eigenen Zahlen kennt. Ich kenne selbst das Gefühl, wenn man dann alles aufgeschrieben hat. Wie betäubt habe ich vor den Zahlen gesessen. Aber letztendlich tat es gut, es war keine Bedrohung in unbekannter Höhe mehr, sondern eine Größe, mit der ich rechnen konnte. Es war immer noch bedrohlich, die Summen machen auch Angst, aber es war greifbar und damit etwas, das man in Angriff nehmen konnte.

Weiter geht es in den nächsten Tagen mit Schritt II, in dem es darum geht, zu entscheiden, wie es weiter gehen kann.

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Kommentare deaktiviert für Die Klimakrise und ich

Fridays for Future. Kennt inzwischen hoffentlich jeder, oder? Vergangenen Freitag (14. Juni) war in Hannover Friday for Future-Fahrraddemo. Ca. 1000 überwiegend jugendliche Demonstranten mit Fahrrädern fuhren durch die hannoversche Innenstadt und demonstrierten für Klimaschutz, Ausstieg aus der Kohleenergie und Umstieg vom Auto aufs Fahrrad.

Die Forderungen richten sich natürlich in erster Linie an die Politik. Sie sind auch ein Weckruf an die Bevölkerung, vor Allem geht es aber um Forderungen, die die Politik umsetzen soll. In den Demonstrationen wird weltweit ein Umdenken in der Politik gefordert, eine Priorisierung des Klimaschutzes und das Ergreifen von politischen Maßnahmen zur Sicherung des Erreichens der Klimaziele, besser noch darüber hinaus. Das ist definitiv unglaublich wichtig, gerade in Anbetracht aktueller Meldungen über ein deutlich schnelleres Schmelzen von Permaeisflächen usw.

Das sind Forderungen, hinter denen ich absolut stehe: die Politik muss weltweit umschwenken und die Klimapolitik ganz nach vorne auf die Agenda stellen. Es geht dabei um unser aller Leben! Meine Hochachtung gilt dabei den jungen Menschen, die diese Demos mit langem Atem organisieren und immer wieder voran treiben. Ihr seid Helden!

Das kann allerdings noch nicht alles sein. Natürlich muss die Politik handeln, aber das allein reicht nicht! Jeder von uns muss etwas tun. Damit meine ich nicht nur, an Demos teil zu nehmen, wie an der Fahrraddemo letzten Freitag. Das hat Spaß gemacht, das war toll – aber wenn wir etwas ändern wollen, dann müssen wir alle etwas tun. Das ist der Punkt, an dem es schwieriger wird. Im Gegensatz zur Teilnahme an einer Fahrraddemo tut es da weh. „Ich alleine kann ja gar nichts tun“ zählt nicht.

Dann sollten wir alle uns mal unser eigenes Leben anschauen und fragen „was kann ich denn tun? Wo belaste ich das Klima und die Umwelt?“ Da gibt es einiges und alles hat mit eigenen Gewohnheiten und der eigenen Bequemlichkeit zu tun: dem eigenen Auto, dem tollen Urlaub, den eigenen Gewohnheiten. Viele Anregungen dazu, was jeder tun kann, findet man im Internet, z.B. hier.

Früher oder später kommen wir zu dem Punkt, an dem es dann wirklich weh tut, an dem jeder Einzelne aber am Meisten beitragen kann: der größte CO2-Verusacher ist die Massentierhaltung. Weniger abstrakt: der größte Klimakiller ist das Schnitzel oder der Burger zum Abendessen, die Wurst oder der Käse aufs Brot und das Ei oder der Joghurt zum Frühstück. Dabei hilft auch der Umstieg auf „Bio“ nicht, das verursacht kaum geringere CO2-Emissionen. Hier hilft nur weniger, am Besten gar keine tierischen Produkte mehr konsumieren.

Das ist fast unmöglich politisch zu „verordnen“, wir denken nur an den Protest, als ein Veggie-Day in Kantinen auch nur angedacht wurde. Diese Entscheidung kann nur jeder für sich selbst treffen, hier muss das Umdenken von „unten“ erfolgen: als Verbraucher haben wir die Macht, das zu ändern und damit unserer Umwelt den größten Dienst zu erweise. Je mehr Menschen das tun, desto eher wird auch die Politik darauf reagieren.

Wer die Forderungen, das Klima zu retten, ernst meint, kommt nicht darum herum, bei sich selbst anzufangen. Also los, fangen wir an!

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Kommentare deaktiviert für Raus aus der Tretmühle, mal anders herum

In den letzten Jahren hat man von mir hier wenig gelesen. Mir ist das Leben dazwischen gekommen, das war wichtiger, als bloggen. Da hier jetzt wieder mehr passieren soll, gibt es hier einen kurzen und sehr persönlichen Rückblick auf das Jahr 2013.

Für mich hat sich viel verändert. 2013 war ich noch selbständig. Obwohl das gerade im Moment häufig als die absolut optimale Lebensweise gehandelt wird, war es in der Form, in der ich es lebte, nichts für mich.

Ich hatte ein kleines Geschäft, das leider nicht genug zum Leben abwarf. Das hatte viele Gründe und vielleicht hätte es auch Chancen gegeben, das Geschäft profitabler zu machen. Meistens benötigt man dafür aber zwei Dinge: Geld, das ich nicht hatte und Spaß daran, und auch der war mir schon lange vergangen.

Die Folge war, dass ich mich von Monat zu Monat tiefer in Schulden hinein manövriert habe. Dabei habe ich nicht auf der faulen Haut gelegen, sondern jeden Tag viele Stunden gearbeitet. Ich fühlte mich dabei eingesperrt, habe keine Alternative für mich gesehen. Der Druck wurde immer größer, das Gefühl immer schlechter.

Im Spätsommer habe ich es dann geschafft, mein Leben einmal vollständig umzukrempeln. Ich habe das Geschäft aufgegeben und einen Job gefunden, mit dem ich sehr glücklich bin. Das war nochmal eine harte Zeit. Trotz des Drucks hing ich an dem Geschäft und Allem, was damit zusammen hing und hatte auch Bedenken, ob ich mich in ein Angestelltenverhältnis wieder einfügen konnte. Die ersten Wochen habe ich jeden Tag nach der regulären Arbeitszeit im neuen Job mit seiner aufregenden und anstrengenden Einarbeitungszeit daran gearbeitet, das Geschäft aufzulösen und darüber hinaus noch meinen Nebenjob weiter zu führen.

Im Herbst 2013 war dieser Teil überstanden, das Geschäft war Geschichte. Leider waren die Schulden nicht automatisch mit verschwunden, diese bestanden natürlich weiterhin und ich brauchte eine Lösung dafür. Bis das wirklich ausgestanden war, hat es weitere Jahre gedauert. In den nächsten Wochen plane ich eine Artikelserie dazu hier.

Seit 2013 also Festanstellung. Nine to Five, 40 Stunden pro Woche in einer weisungsgebundenen Arbeitsstelle, wie es so schön heißt. Neben der Tatsache, dass ich einen wirklich tollen Job in einer erstklassigen Firma gefunden habe (wenn Ihr IT-affin seid und Lust auf eine neue Herausforderung seid, sprecht mich an, wir suchen Verstärkung!), fühle ich mich jetzt um ein vielfaches freier, als in meiner Selbständigkeit. Die Gewissheit, dass am Ende des Monats eine feste Summe Geld auf dem Konto ist, ist unglaublich befreiend.

Selbständigkeit kann toll sein, auch das habe ich erlebt. Ein euphorisierendes Gefühl von Freiheit begleitet einen. Es kann aber auch schief gehen. Das ist keine Schande, es kann passieren. Es ist auch dann keine Chance, wenn es selbst (mit-)verschuldet ist. Wichtig ist dann zu wissen: es gibt immer einen Weg, es ist nie eine Sackgasse, aus der es kein Entrinnen gibt. Manchmal dauert es lange, bis man ihn findet und den Ausweg sieht. Wie beim umgekehrten Weg, raus aus der Festanstellung und rein in die Selbständigkeit, sind es häufig Angst und eigene, negative Glaubenssätze, die einem im Weg stehen.

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Kommentare deaktiviert für Urlaubslektüre gesucht? Meine drei Lieblingsbücher des vergangenen Jahres

Vielleicht folgen hier noch weitere Leseempfehlungen, fürs Erste fange ich hier mal an mit drei Büchern, die mich im vergangenen Jahr beeindruckt haben. Sie sind keine klassische Urlaubslektüre, aber wer am Strand nicht nur nach „leichter Kost“ lechzt, kommt vielleicht trotzdem auf seine Kosten

1. „How not to die“ von Dr. Michael Greger

Worum geht es? Um Krankheit und Gesundheit, insbesondere aber darum, wie wir unsere Gesundheit durch unsere Ernährung beeinflussen können. Dr. Greger geht dazu im ersten Teil die Krankheiten durch, die am häufigsten zum Tod führen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes ganz vorn, aber auch Parkinson, Parkinson und Infektion), vergleicht Studien und beschreibt, welche (pflanzlichen) Lebensmittel sich in welcher Weise positiv auswirken.
Im zweiten Teil beschreibt er dann, wie diese Lebensmittel in die tägliche Ernährung integriert werden können.

Wie hat es mich beeinflusst? Seit 2017 beschäftige ich mich mehr mit meiner Ernährung, als vorher. Schon seit Jahren lebe ich vegetarisch, dieses Buch hat mich dazu gebracht, außer Fleisch auch Eier und Milchprodukte weitgehend von meinem Speiseplan zu streichen und viel Neues auszuprobieren. Spannend finde ich besonders, wie intensiv und weitreichend wir unsere Gesundheit dadurch beeinflussen können, was wir essen. Dieses Buch war mein Einstieg in das Thema.

Und sonst? Dr. Greger hat mit seiner Webseite nutritionfacts.org und seinen regelmäßigen youtube-Videos eine breite Fanbase und ist neben den harten Fakten auch durchaus unterhaltsam.

Link zum Buch: https://amzn.to/2EO6pJN

2. „Madame Moneypenny: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können“ von Natascha Wegelin

Worum geht es? Um Geld. Besonders um die Frage, ob es ok ist, Geld wichtig zu finden. Und warum es wichtig ist, dass Frauen sich um ihr Geld selbst kümmern. Das Buch enthält keine „leg Dein Geld so an, dann bist Du in einem Jahr reich“-Raschläge, sondern Anregungen, warum es wichtig ist, sich mit seinem Geld zu beschäftigen, wo frau ansetzen kann und was alles dazu gehört, wenn frau sich mit ihren Finanzen beschäftigt. Das Buch enthält keine Ratschläge, in welche Produkte man investieren soll und keine Anlagestrategien (außer „ETFs sind gut“), dafür gibt es ausreichen weiterführende Literatur, sondern verteilt Tritte in den Allerwertesten und gibt Starthilfen.

Wie hat es mich beeinflusst? Ich habe meinen Papierkram durchgesehen und neu geordnet, insbesondere die Versicherungen habe ich näher unter die Lupe genommen. Ich habe einen Notgroschen angespart und angefangen, Geld zu investieren. Nicht das, was am Ende des Monats noch übrig bleibt, sondern Geld, dass ich bereits Anfang des Monats genau dafür entnehme. Außerdem hat es mich angeregt, mich auch weiterhin mit dem Them auseinander zu setzen und mehr dazu zu lesen.

Und sonst? Natascha Wegelin betreibt den Blog „Madame Moneypenny“ sowie eine gleichnamige Facebookgruppe (women only, sorry guys), in der Frauen sich zu allen Themen rund ums Geld austauschen können. Auch ihr Podcast ist sehr hörenswert!

Link zum Buch: https://amzn.to/2QB6Lbu

3. „Eine kurze Geschichte der Menscheit“ von Yuval Noah Harari

Worum geht es? Um die Menschen und ihre Geschichte. Nicht um Einzeldaten, wie „333, bei Issos Keilerei“, sondern um den Gesamtzusammenhang. Was unterschied den Homo Sapiens von anderen Menschen? Warum hörte der Mensch auf als Jäger und Sammler zu leben und wer oder was hat ihn domestiziert? Wie hat der Mensch seine Umwelt beeinflusst, was passierte mit der Welt, als der Mensch das Zepter in die Hand nahm, welche großen Veränderungen haben die Menschheit beeinflusst und wo kann das alles noch hinführen?

Wie hat es mich beeinflusst? Harari erzählt nicht nur spannend und unterhaltsam, seine Ausführungen haben mich teilweise auch schockiert. Auch die beiden Nachfolger habe ich deshalb geradezu verschlungen. Alle drei Bücher sorgen allerdings nicht für einen ruhigen Nachtschlaf, das als Warnung.

Und sonst? Von und mit Harari findet man auf Youtube eine Menge Interviews, in denen er seine Erkenntnisse zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Menschen teilt.

Link zum Buch: https://amzn.to/2ENeChv

Hinweis: die Links zu den Büchern sind Amazon-Affiliate-Links. Solltet Ihr darüber ein Buch bestellen, kostet das für Euch nicht mehr, aber ich bekomme eine kleine Provision dafür.

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Kommentare deaktiviert für Meine Lösung für die derzeitige politische Lage

…gibt es nicht. 

Ich wurde letzte Woche auf Twitter danach gefragt. Wo ich doch so viel Politisches Twittern würde, wie denn da meine Lösung aussehen würde. Für die Probleme der Asylpolitik, für die Konflikte, die sich daraus ergeben. Die kurze Antwort laute: ich habe keine Lösung. Aber das ist ein bisschen platt, ich denke, sehe und sage ja, dass ich nicht damit einverstanden bin, wie es gerade läuft. Nur meckern zählt aber nicht, es müssen zumindest Lösungsansätze her, meine ich. Ist ja sonst wie im Fussball: 80 Millionen Nationalmannschaftstrainer, und alle hätten es besser gemacht…

Zurück zum Thema. Die Probleme der Asylpolitik. Was sind denn da eigentlich die Probleme? Ich sehe nicht, dass die Tatsache, dass Menschen auf ihrer Flucht zu uns kommen ein Problem ist. Nicht per se. 2015 sind eine Million Menschen zu uns geflüchtet. Es gab ein großes Aufseufzen, Frau Merkel hat mit „wir schaffen das“ Mut gemacht, es gab viele Zweifel und sehr, sehr viele Menschen, die noch viel mehr Probleme auf uns zukommen sahen. Und? Nun, die Kriminalstatistik weist sinkende Zahlen aus, völlig egal, was ein vollständig überdrehter amerikanischer Präsident dazu sagt. Keinem Menschen hier bei uns wurden auf Grund der ankommenden Menschen das Gehalt gekürzt oder die Sozialleistungen gestrichen. Die Wirtschaft gedeiht. All das nicht nur trotz der Menschen, die in ihrer Not zu uns kamen, sondern auch wegen dieser Menschen.

Dass diese Menschen fliehen ist natürlich trotzdem ein Problem. Nicht, weil sie zu uns kommen, sondern weil sie weg müssen von Ihren Heimen, Ihrem Leben. Menschen fliehen nicht, weil das Wetter bei uns im Sommer angenehmer ist. Sie verlassen ihre Familien und ihre Heime, alles was sie kennen und ihnen vertraut ist nicht, weil es bei uns so leckeren Schweinebraten gibt und das bayerische Bier so gut ist. Die Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, leiden unter Krieg, Gewalt, Verfolgung oder auch unter Hunger. Sie kennen das große Risiko, im Mittelmeer zu ertrinken, es scheint ihnen aber geringer, als die Risiken, die sie jeden Tag erleben.
Mir persönlich ist es deshalb zunächst egal, ob jemand flieht, weil er fürchtet zu verhungern, oder weil er politische Verfolgung fürchtet. Beides, der Hunger und die politische Verfolgung entstehen nicht aus dem Nichts. Für sehr Vieles daran tragen wir mit die Verantwortung. In lichten Momenten kommt auch der eine oder andere Politiker auf die Idee, dass man Fluchtursachen bekämpfen muss. Der zweite Schritt wird dabei aber nicht gemacht, dafür müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Mein erster Schritt hier wäre definitiv: Waffenexporte verbieten! Ohne Ausnahme! 

Warum flüchten die Menschen eigentlich ausgerechnet zu uns? Also, warum bleiben sie nicht näher an ihren Heimatländern? Nun, das tun sie. Also die meisten. Die meisten Flüchtenden aus dem nahen Osten oder Afrika sind uns jahre- und jahrzehntelang nicht näher gekommen, weil sie in die Nachbarländer geflüchtet sind. Wir haben unterstützt, dass sie dort ordentlich versorgt werden konnten. Bis wir uns entschlossen haben, die Mittel dafür massiv zu kürzen. Die Menschen fliehen in ihrer Not deshalb zunächst nur in neue Not, deshalb fliehen sie weiter, nehmen neue Gefahren auf sich. Sie wollen dahin, wo sie auf Hilfe hoffen. Wo sie Menschlichkeit erwarten. Ein Wort, das hier mehr und mehr zum Fremdwort wird.

Menschlichkeit sollte man in Deutschland auch können, wo Parteien regieren, die „christlich“ und „sozial“ im Namen tragen, oder? Christliche Nächstenliebe ist gefordert. Oder notfalls auch einfach ein Blick in das Grundgesetz: wir haben uns ein Gesetz gegeben, das klar macht, dass wir nicht einfach „Du kommst hier nicht rein“ sagen können. 

Das Recht auf Asyl wurde aus den Erfahrungen des zweiten Weltkriegs geschaffen. Eine Zeit, in die wir häufiger mal zurück schauen sollten, denn im Moment gibt es eine erschreckend große Anzahl an Parallelen zu den Anfängen des Nationalsozialismus. Und wir wissen alle, wie das endete. Das fängt bei der Sprache an. Von „konzentrierten Zenten“ und der logischen Abkürzung will ich gar nicht reden, es fing ja schon viel früher an. „Asyltourismus“, z.B., diesen Ausdruck hat die derzeit erstarkende rechtsradikale Partei in Deutschland geprägt: die AfD. Aber auch die CSU rückt immer weiter nach rechts, auch in Ihrem Vokabular. „Lügenpropaganda“ nannte Herr Seehhofer neulich Berichte über das PAG (Polizeiaufgabengesetz) – er hat wohl zu viel bei Herrn Trump gelauscht.

Überhaupt Herr Seehofer. Zu meiner Schulzeit am Gymnasium haben wir uns in der Klasse erhoben, wenn die Lehrkraft den Klassenraum betreten hat. Wir haben morgens im Unterricht gebetet. Je nach erster Stunde auch mal das Vater unser auf Englisch oder Latein, aber es wurde gebetet. Über jeder Klassenzimmertür hing ein Kreuz. Es war ein bayerisches Gymnasium, das ich besucht habe, das habt Ihr Euch jetzt sicherlich schon gedacht, oder? Mein Besuch dieses Gymnasiums ist jetzt 27 Jahre her (also, das Abitur. Hingegangen bin ich vorher noch 9 Jahre, gebetet wurde nur in den ersten Jahren). Aber trotz all dieser erzkonservativen Vorgaben haben wir dort intensiv über den Nationalsozialismus und den zweiten Weltkrieg gesprochen. Über die Ursachen, die Auslöser, und auch darüber dass das nie, nie wieder passieren darf und von der Verantwortung, die wir alle dafür tragen. Meinetwegen, Herr Seehofer, könnten die Holzkreuze wieder aufgehängt werden, wenn dieser Geist dafür wieder zurück kehrt. Die Erinnerung daran, dass wir alle dafür (auch Sie, Herr Seehofer) dafür Sorge tragen müssen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Ok, und die Lösung? Naja, also die Ansätze:

  • Waffenexporte verbieten. Sofort. Ohne Ausnahme. (Meinetwegen könnte man übrigens auch gleich die Waffenproduktion verbieten)
  • Unterstützung der Menschen in ihren Heimatländern
  • Aufstockung der Hilfsmittel in den heimatnahen Fluchtgebieten
  • Schaffung sicherer Fluchtwege auch zu uns nach Europa
  • Aufnahme der Geflüchteten im gesamten Europa. Schei*** auf „wo sie zuerst europäischen Boden betreten haben“. Solidarität ist angesagt!
  • Seehhofer rausschmeißen. Und die ganze Brut um ihn herum gleich mit. Gerade gab es eine hervorragende Gelegenheit dafür, die leider verschenkt wurde.
  • Frau Merkel müsste sich an ihre eigenen Worte und Werte aus 2015 erinnern
  • Die SPD müsste sich daran erinnern, wofür sie steht. Und was im Koalitionsvertrag steht.
  • Grüne und Linke und weitere Parteien, die den rechtsruckenden Kurs nicht mittragen wollen, müssen laut und energisch auftreten und sich Gehör verschaffen. Mindestens so laut und energisch, wie die Schreihälse der AfD. Nur leise jammern hilft nicht. Hat nie geholfen, hilft aber jetzt erst recht nicht mehr.
  • Jeder einzelne Mensch muss rechtes Gedankengut z.B. über die Verwendung rechter Ausdrücke („Asyltourismus“!) erkennen, entlarven und bloßstellen. „Das wird man wohl noch sagen dürfen“ kann nur eine Erwiderung kennen: „NEIN!“

Wir müssen versuchen, die fatale Entwicklung der letzten Jahre zurück zu drehen. Ich hoffe es ist noch nicht zu spät. Ich hoffe es so sehr.

PEGICA

Dez
2014
29

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Demo für Alle

Weihnachten ist gerade so vorbei. Wie jeden Montag werden vermutlich auch heute wieder dumme Menschen für eine „PEGIDA“-Demonstration auf die Straße gehen. „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“.

Die Islamisierung also. Soso. Gegen Fakten ist die „Bewegung“ immun, es hilft also nichts, den dumpfen PEGIDA-Jüngern zu erklären, dass von einer Islamisierung nichts zu sehen ist und Zuwanderung das Sozialsystem ent- und nicht belastet. Sie schüren einfach Fremdenhass und Angst vor Neuem, Anderem, Fremdem. Schlimmer noch: Sie vermitteln das Gefühl, dass der latente Fremdenhass „Das wird man ja wohl sagen dürfen“ salonfähig ist, dass er in Ordnung ist und akzeptiert wird und argumentieren dabei mit unbewiesenen Dunkelziffern. Sie bedienen sich der Ängste der Menschen und geben Ihnen ein Ziel: Angehörige einer anderen Religion sind schuld. Kommt uns das nicht irgendwoher bekannt vor?

Gerade erst haben wir uns alle wieder an die Weihnachtsgeschichte erinnert. Die Geschichte über zwei junge Leute, die nicht freiwillig, sondern weil sie es müssen, in einer fremden Stadt eine Bleibe suchen, an Türen klopfen und überall abgewiesen werden, so dass Maria letztendlich Gottes Sohn in einem Stall zur Welt bringt. Christliche Empörung inbegriffen: diese dummen Menschen, die der hilfesuchenden Mutter Gottes ein Dach über dem Kopf verwehren…

PEGIDA beruft sich ja auf das Abendland, ein christliches Abendland (im Gegensatz zur Islamisierung usw.). Eigentlich könnten Sie deshalb auch PEGICA heißen – Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Christlichen Abendlandes – dann würde wenigstens auch der zweite überflüssige Artikel wegfallen (PEGIDA – Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung Des Abendlandes – Hauptsache, es klingt griffig). Beriefe man sich aber zu stark auf das Christentum, müsste man ja einsehen, dass Mitgefühl und bedingungslose Hilfe grundlegende christliche Werte sind, ohne Ansehen der Person (wir denken kurz an Maria Magdalena…). PEGIDA dagegen gönnt Flüchtlingen und Zuwanderern eigentlich nicht einmal die Unterkunft im Stall. Von christlicher Nächstenliebe völlig unberührt argumentieren sie unbelastet von Tatsachen mit „das wird man ja wohl mal sagen dürfen“.

Die Politik reagiert auf PEGIDA, irgendwie. Die Rede ist, auch in den Medien, von „diffusen Ängsten“, man müsse die Ängste der Menschen ernst nehmen, heißt es, den Diskurs mit den Menschen suchen, es sind ja keine oder zumindest nicht alle Nazis. Stimmt, zumindest nicht offen. Brechen wir es runter: fremdenfeindliche und teilweise auch antisemitische Äußerungen, Hetze gegen „Systempresse“ usw. – am Ende sind es doch Nazis. Da kann und darf es keinen Diskurs geben, da heißt es nur klar machen, dass für diese Denkweise hier kein Platz ist und niemals wieder Platz sein wird.

„Wir sind das Volk“, rufen die PEGIDA-Demonstranten inzwischen.
„Wir sind das Volk“? Einen Dreck seid Ihr!

Kleine Schwester der PEGIDA-Demos ist übrigens die „Demo für alle“, die auch bereits in etlichen deutschen Städten stattfand und von der das Bild oben stammt. Da ging es mal nicht gegen böse Islamisten, da waren die bösen Homosexuellen das Ziel. „Gegen die Frühsexualisierung unserer Kinder“. Völlig gegen die tatsächliche Erlebenswelt wird hier mit einem spießbürgerlichen Familienbild „Vater, Mutter, Kind(er)“ argumentiert, das so tatsächlich häufig gar nicht mehr existiert und mit absurdester Argumentation dagegen demonstriert, dass man Kindern vermitteln könnte, dass jede Familienform normal und in Ordnung ist, solange sie von Liebe und Verständnis geprägt ist. Mittels Beschwörung eines Heile-Welt-Familienbildes wird hier eine Weltsicht gesellschaftsfähig gemacht, die im schlechtesten Sinne rückwärtsgewandt ist. Dieser bürgerlich verbrämte, rosa überzuckerte latente Faschismus macht mir Angst.

Auch das Familienbild der Nazis war so sauber, rosig und idealisiert…

Telefonnostalgie

Aug
2014
25

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Mein Schulweg führte direkt an der großen Hauptpost am Bahnhof vorbei. Im Winter, wenn es sehr kalt war, bin ich manchmal rein gegangen und habe mich etwas aufgewärmt, vorne, im vorderen Raum, wo die Telefonzellen waren.  Ja, so war das noch in den 80er Jahren: es gab in der Post einen eigenen, großen Raum, in dem mehrere Telefonzellen nebeneinander standen. Davor gab es einen Bereich mit Stühlen, auf denen man auf eine freie Zelle warten konnte. Und dazwischen stand die wohl umfangreichste Datenbank mit Daten Einwohnern Deutschlands, die verfügbar war: ein großer Tisch, an dem in Hängevorrichtungen alle Telefonbücher Deutschlands verfügbar waren. Man konnte so mit einem Griff die Telefonnummern der Bewohner Kölns aufschlagen. Oder Hamburgs. Oder Stuttgarts. Oder Detmolds. An dieser Stelle waren sie alle gesammelt. Teilweise sogar mit vollständigen Adressen!

Auch zu Hause gehörte das Telefonbuch zu den wichtigsten Büchern im Haus. Nur mit dem aktuellsten Telefonbuch konnte man einigermaßen sicher sein, die aktuelle Telefonnummer des gewünschten Gesprächspartners auch finden zu können. Außer natürlich sie stand sowieso in dem handgeschriebenen Büchlein, in dem Adressen und Telefonnummern enger Bekannter und häufiger Gesprächspartner wie Vermieter und Ärzte notiert wurden.

In dem Gebäude ist schon lange keine Post mehr und lange Reihen von Telefonzellen gibt es ohnehin nicht mehr. Warten auf schäbigen Stühlen in mäßig beheizten Postvorräumen, dabei in den Telefonbüchern blättern und darüber sinnieren, was für ein Leben Hugo Popelmann aus Neustadt an der Waldnaab, dessen Namen man soeben durch zufälliges Aufschlagen eines beliebigen Telefonbuchs auf dem großen Telefonbuchtisch gefunden hat, wohl so führt? Vorbei. Man greift in die Jackentasche zum Handy. Suchen im Telefonbuch oder der eigenen Kladde nach der richtigen Nummer? Wozu, sie ist ohnehin im Telefon gespeichert und wenn nicht, dann findet man sie im Internet. Das Telefonbuch geht mit der Zeit, statt dicker Wälzer ist es jetzt so handlich, dass es sogar auf das Handy passt. Mit wenigen Klicks finde ich sie wieder, die Nummer von Hugo…

Nur manchmal, wenn ich das Handy zu Hause vergessen habe und abgeschnitten von der normalen Kommunikation auf einer Straße stehen, auf der Suche nach der Wohnung von Hugo, dessen Adresse ich mir nicht gemerkt habe, weil sie ja sowieso im Handy steht, da wünsche ich mir dann doch wieder eine Post. Mit Telefonzellen. Und dicken Telefonbüchern, in denen die richtige Nummer zu finden ist.

Respekt!

Apr
2014
28

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In Hannover fand heute der Hannover Marathon statt. Ich stand eine Zeit lang am Rand der Strecke, habe zugeschaut, ein paar Fotos gemacht und Zeit gehabt meinen Gedanken hinterher zu hängen. Über Gemeinschaftsgefühl und den gemeinsamen Wunsch, ein Ziel erreichen zu wollen, zum Beispiel. Beides war auch für Zuschauer am Rand des Marathon deutlich spürbar.

Der kommissarische Bundesvorstand der Piratenpartei beschließt inzwischen, keine öffentlichen Sitzungen mehr abzuhalten. Kurz durchzuckte mich beim Lesen dieses Beschlusses Empörung: „Wie können die nur???“ Diese Empfindung machte schnell Platz für ein anderes Gefühl: Scham. Da sind Menschen, die von uns vor gar nicht allzu langer Zeit gewählt wurden, um als Bundesvorstand die Piratenpartei durch das Jahr 2014 zu begleiten. Eben diese Menschen trauen sich jetzt nicht mehr, ihre Sitzungen öffentlich abzuhalten. Weil sie von Parteimitgliedern beleidigt und bedroht werden.

Bundesvorstand sein ist nicht immer schön und lustig. Wer auf Ruhm und Ehre hofft, wird sie nicht in einem Vorstandsamt bei den Piraten finden. Das war hoffentlich auch den noch verbliebenen Resten des Ende letzten Jahres gewählten Bundesvorstands klar. Für ehrenamtliches Engagement jedoch so massiv angegangen zu werden, dass die Angst überwiegt, ist nicht zu rechtfertigen.

Ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, was der kommissarische BuVo beschlossen hat. Ich bin auch weit davon entfernt, den Mitgliedern des BuVo einen Freifahrtschein auszustellen. Konstruktive Kritik muss genauso möglich sein, wie selbst Mittel zu ergreifen, wenn wir das Gefühl haben, das etwas gewaltig schief läuft. Die Satzung gibt uns dafür Mittel an die Hand. Anträge an den Vorstand und Schiedsgerichtsverfahren gehören dazu. Persönliche Angriffe (auch verbal) dagegen nicht. Ich möchte auch nicht Mitglied in einer Partei sein, in der respektvoller Umgang mit anderen Mitgliedern ein Fremdwort ist.

Für die Piraten würde ich mir genau das wünschen, was ich heute beim Marathon gesehen habe: Zusammenhalt beim Streben nach einem gemeinsamen Ziel. In ganz vielen Bereichen haben wir untereinander wenig Berührungspunkte. Wir leben ganz unterschiedliche Leben,  haben verschiedene Interessen. Lediglich die Piratenpartei vereint uns. Es ist in Ordnung, dass wir nicht überall einer Meinung sind. Das müssen wir nicht, wir müssen nur eine Linie finden können.

Eigentlich ist es die Politik, die uns zusammen halten sollte. Im Moment geht es in der Piratenpartei aber nicht um Politik. Es geht nur um uns. Wir bewegen nichts, weil wir gar nicht die Kapazitäten haben, etwas anzugehen, weil wir alle Ressourcen damit verschleißen, uns gegenseitig aufzureiben.

Ich mag nicht mehr, nicht so. Wenn ich in diesem Blog über die Piraten schreibe, dann will ich über Politik schreiben, darüber, was wir ändern können, wollen und müssen. Über die politische Stimmung will ich schreiben, nicht über Befindlichkeiten und Befindlichkeitsstörungen, die selbstzerstörerische Ausmaße annehmen.

Es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder darauf besinnen, wo wir hin wollen. Höchste Zeit, dass wir uns wieder den wichtigen Aufgaben widmen, statt uns selbst zu zerfleischen. Allerhöchste Zeit, dass wir leben, was wir im Parteiprogramm fordern: Respekt vor allen Menschen.

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